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Hochwasserschutz in Sachsen

In den vergangenen Jahren wurde der Freistaat Sachsen wiederholt von schweren Hochwasserereignissen  getroffen. Die Hochwasserkatastrophe 2002 forderte sogar Menschenleben und verursachte gewaltige Zerstörungen und Schäden. Besonders seitdem ist die Hochwasservorsorge ein erklärtes Kernthema der sächsischen Umweltpolitik. Vor allem stark gefährdete Ortslagen sollten schrittweise einen angemessenen Hochwasserschutz erhalten. Daher hat der Freistaat Sachsen neben zahlreichen anderen Verbesserungen auf diesem Gebiet inzwischen rund 2,6 Milliarden Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen und die Beseitigung von Gewässerschäden investiert. Im Ergebnis konnten bei dem erneuten großen Hochwasser im Juni 2013 Schäden in Milliardenhöhe vermieden werden. Bis 2023 sollen weitere 630 Millionen Euro in den Hochwasserschutz fließen.

Nachfolgend wollen  wir Ihnen einige ausgewählte Hochwasserschutzprojekte des Freistaates zeigen. Die Vorhaben beinhalten örtliche Schutzmaßnahmen wie Deiche und Hochwasserschutzmauern, aber auch überregional wirksame Projekte wie Hochwasserrückhaltebecken, Polder und Deichrückverlegungen.

Sofern es in der jeweiligen Ortslage umsetzbar und machbar ist, soll so ein Schutz bis zu so genanntem »einhundertjährlichen Hochwasser« geschaffen werden – also einem Hochwasserereignis der Größenordnung, wie es statistisch gesehen einmal in hundert Jahren vorkommt.

Hochwasser Eilenburg © SMUL

Im August 2002 wurde die Stadt Eilenburg (Landkreis Nordsachsen) durch das Hochwasser der  Vereinigten Mulde vollständig überflutet. Inzwischen schützt seit 2009  ein 13 Kilometer langes System aus Deichen und Hochwasserschutzmauern entlang der Mulde und dem Mühlgraben die Stadt.

Der Hochwasserschutz für  Eilenburg wurde zu 75 Prozent aus europäischen und zu 25 Prozent aus Landesmitteln finanziert.

Bombardier Transportation GmbH Bautzen zum Hochwasser 2002 © SMUL

Das Spreehochwasser im August 2010 richtete auch im Industriegebiet Bautzen-Süd erhebliche Schäden an. Deshalb wurde in enger Abstimmung mit der Bombardier Transportation GmbH  Bautzen ein Konzept zum Schutz des Gebietes erstellt. Der gefährdete Bereich wird  nun durch eine 1,70 Meter hohe Hochwasserschutzwand gesichert. Die Bohrpfähle, auf denen die Stahlbetonwand ruht, reichen bis zu sieben Meter in die Tiefe.

Die Grundfinanzierung des Projektes übernahm der Freistaat Sachsen. Das Bombardier-Werk finanzierte den weiteren Ausbau, sodass der Schutz des Bautzener Industriegebiets nun bis zu zweihundertjährlichen Hochwassern reicht.

Hichwasserschutz Glashütte © LTV/ Peter Schubert

Im Müglitztal im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge hatte das Augusthochwasser 2002 besonders schwere Schäden angerichtet. Bilder aus Glashütte, Schlottwitz und Weesenstein sind damals zum Synonym für die Katastrophe geworden.

Da im engen Müglitztal kaum andere Möglichkeiten des Hochwasserschutzes bestehen, wurde in Glashütte bis zum November 2013 ein neues Hochwasserrückhaltebecken errichtet. Zusammen mit dem neuen Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein können so im Tal angesiedelte Anwohner, Industrie- und Handwerksbetriebe und wichtige Verkehrswege erstmals besser vor erneuter Überschwemmung geschützt werden. Die Vorhabenkosten belaufen sich auf 30 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes und des Landes.

Hochwasserschutzanlage Wilkau-Haßlau © LTV

Zum Schutz der Stadt Wilkau-Haßlau im Landkreis Zwickau wurde links der Zwickauer Mulde eine über zwei Kilometer lange Hochwasserschutzanlage errichtet. In ihr fest installierte Hochwassertüren können vor einem drohenden Hochwasser verschlossen werden.

Die Investition von ca. 5,9 Millionen Euro wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie Landesmitteln finanziert.

Hochwasserrückhaltebecken im Osterzgebirge © LTV

Das größte Hochwasserrückhaltebecken im Osterzgebirge ist ein wesentlicher Bestandteil des Hochwasserschutzes im Müglitztal. Bereits im September 1998 wurde die Errichtung des Rückhaltebeckens Lauenstein beschlossen. Durch die Schäden des Augusthochwassers 2002 musste der Bau jedoch für längere Zeit unterbrochen werden. Zugleich konnten die Erfahrungen aus dem Hochwasser 2002 in die Bauplanung eingebracht werden. Das Becken fasst rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser und wurde nach Investitionen aus Mitteln des Bundes und des Freistaates Sachsen in Höhe von rund 40 Millionen Euro im Jahr 2006 eingeweiht.

Talsperre Klingenberg © LTV/ Peter Schubert

Nach fast 100 Jahren in Betrieb musste die Talsperre Klingenberg (Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge) nach dem Augusthochwasser 2002 dringend saniert werden. Die Kraft der Flut hatte neben der Vorsperre weite Teile der Anlage zerstört. Von 2005 bis 2013 wurden insgesamt 85 Millionen Euro in den Wiederaufbau und in die Modernisierung der Talsperre investiert.

Die Talsperre Klingenberg vereint nun Ingenieurskunst aus zwei Jahrhunderten, ist Gl und trägt einen großen Teil zum Hochwasserschutz der Region bei.

Darüber hinaus versorgt die Talsperre Klingenberg im Verbund mit anderen Talsperren große Teile des Landkreises Sächsische Schweiz / Osterzgebirge, die Stadt Freital und 60 Prozent der Landeshauptstadt Dresden mit Trinkwasser.

Ulberndorf - Rückbaufläche und Gewässeraufweitung © SMUL

Im Dippoldiswalder Ortsteil Ulberndorf im Landkreis  Sächsische Schweiz / Osterzgebirge verursachte das Augusthochwasser 2002 erhebliche Schäden. Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes wurde daher nach dem Hochwasser ein aufgegebenes Industriegelände erworben, komplett zurückgebaut und renaturiert.

Heute dient dieser Standort als Überflutungsbereich, in dem auch die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers verbessert werden konnte. Nach Investitionen von einer Million Euro sichern die durchgeführten Maßnahmen einen Schutz vor bis zu einhundertjährlichen Hochwassern der Roten Weißeritz.

Mulda © LTV

Durch das Augusthochwasser 2002 entstanden allein in Mulda im Landkreis  Mittelsachsen Schäden in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Zum Schutz der Gemeinde wurden auf einer Länge von 2,5 Kilometern Deiche und Hochwasserschutzmauern errichtet sowie Gewässeraufweitungen und Umfluter realisiert.

Das Projekt für rund zwölf Millionen Euro  wurde aus Mitteln des Freistaates Sachsen, des Bundes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Hochwasserschutz Radebeul © LTV/ Peter Schubert

Die Elbehochwasser verursachten in der Vergangenheit auch in überschwemmungsgefährdeten Bereichen der Stadt Radebeul im Landkreis Meißen wiederholt große Schäden. Nach dem Augusthochwasser 2002 wurde eine umfassende Hochwasserschutzplanung aus Deichen und Hochwasserschutzwänden für die Ortsteile Naundorf, Altkötzschenbroda, Fürstenhain konzipiert und durchlief bzw. durchläuft aufgrund verschiedenster Nutzungsansprüche und Interessen besonders komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren.

Die Hochwasserschutzlinie in Naundorf wurde Ende 2016 fertiggestellt. Im Frühjahr 2017 konnte nun auch der Startschuss für den Abschnitt Fürstenhain gegeben werden. Im weiteren Genehmigungsverfahren ist der Planbereich Altkötzschenbroda. Finanziert sind diese Maßnahmen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), des Bundes und des Freistaates Sachsen.

Hochwasserschutzlinie Heidenau © LTV/ Peter Schubert

Zum Schutz von Wohn-, Gewerbe-, und Industriegebieten wird  in Heidenau (Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge) in drei Bauabschnitten eine aus Platzgründen überwiegend aus Spundwänden bestehende Hochwasserschutzlinie errichtet.

Ziel ist es, bis August 2018 alle laufenden Bauarbeiten abzuschließen und damit einen Schutz bis zu einhundertjährlichem Elbhochwasser zu erreichen.

Zur Finanzierung des Projekts sind Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Freistaates Sachsen geplant.

Hochwasserschutzprojekt Aue © LTV/ Peter Schubert

Zum  Schutz  der Stadt Aue im Erzgebirgskreis vor bis zu fünfzigjährlichen Hochwasserereignissen werden Maßnahmen am Schwarzwasser und der Zwickauer Mulde umgesetzt. Diese umfassen Gewässerrenaturierungen, Deiche und innerörtliche Hochwasserschutzmauern. Damit soll die dichte Bebauung in Aue zukünftig einen besseren Schutz nicht nur vor einem Rückstau der Zwickauer Mulde, sondern auch vor Hochwasser des Schwarzwassers erhalten.

Das Hochwasserschutzprojekt umfasst Investitionen in Höhe von 31,4 Millionen Euro und wird zu Teilen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Hochwasserschutz Penig © LTV

In den vergangenen 150 Jahren wurde die Stadt Penig im Landkreis Mittelsachsen von fünf extremen Hochwassern der Zwickauer Mulde getroffen – 1858, 1897, 1954, 2002 und 2013. 2002 traten allein im kommunalen Bereich und bei ortsansässigen Unternehmen Schäden in Höhe von rund 12 Millionen Euro auf.

Der Freistaat Sachsen errichtet in Penig eine Hochwasserschutzlinie entlang der Zwickauer Mulde, die nach Abschluss der Arbeiten eine Gesamtlänge von 2,3 Kilometern erreichen soll. Wesentliche Bauabschnitte im innerstädtischen Bereich sind bereits fertig. Unter kommunaler Verantwortung wurden zusätzliche Schutzmaßnahmen am städtischen Mühlgraben durchgeführt.

Altstadt Dresden © SMUL

Die Landeshauptstadt Dresden liegt teilweise in hochwassergefährdeten Bereichen der Elbe, der Weißeritz, des Lockwitzbaches und kleinerer Bäche. Zum  Augusthochwasser 2002 erreichte die Elbe einen historischen Höchststand von 9,40 Metern. Aber auch das vorherige sturzflutartige Weißeritzhochwasser richtete verheerende Schäden an. In der Konsequenz wurde die schrittweise Verbesserung des Hochwasserschutzes geplant und umgesetzt. Auf der linken Elbseite sind zentrumsnah komplexe innerstädtische Schutzmaßnahmen mit zwei Fluttoren (Altstadt, Friedrichstadt, Wilsdruffer Vorstadt) realisiert. Des Weiteren wird der Hochwasserschutz im Dresdner Westen (Kemnitz, Stetzsch, Gohlis, Cossebaude) abgeschlossen. Rechts der Elbe werden Pieschen, Mickten und Kaditz vor bis zu einhundertjährlichen Elbhochwassern geschützt.

Im Verlauf der Vereinigten Weißeritz hat der Freistaat Sachsen in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen realisiert, um in Zusammenarbeit mit der Landeshaupstadt Dresden einen Schutz bis zu zweihundertjährlichen Hochwasserereignissen zu erreichen. Weitere Maßnahmen befinden sich im Bau.

Die Maßnahmen für Dresden werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, des Bundes und der Länder sowie des Freistaates Sachsen finanziert.

Verteilerwehr Döbeln © LTV

Der historische Altstadtkern der Stadt Döbeln im Landkreis Mittelsachsen wird von der Freiberger Mulde und einer Flutmulde, einem Abzweig der Freiberger Mulde, umflossen. Durch die Gewässernähe ist die Altstadt besonders hochwassergefährdet.

Um den Hochwasserschutz in Döbeln zu verbessern, wurden neben der Planung von Hochwasserrückhaltebecken im Oberlauf der Freiberger Mulde auch örtliche Maßnahmen geplant. In Döbeln wurden bisher  flussnahe Schutzdeiche errichtet, die Flutmulde erweitert und dass große Verteilerwehr an der Flutmulde vollständig erneuert. Gegenwärtig erfolgt der weitere Ausbau der Flutmulde. Nachfolgend sind weitere Maßnahmen an der Freiberger Mulde erforderlich.

Die Finanzierung erfolgt mit Mitteln des Bundes, der Länder und des Freistaates Sachsen.

Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel © LTV/ Peter Schubert

Das Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge südlich von Schmiedeberg soll 1,2 Millionen Kubikmeter Hochwasser zurückhalten und damit das Gefahrenpotential in den Ortslagen entlang der Roten Weißeritz deutlich verringern.

Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Bundes, der Länder und des Freistaates Sachsen.

Polder Löbnitz © LTV

Der Polder Löbnitz im Landkreis Nordsachsen an der Vereinigten Mulde ist eines der größten Hochwasserschutzprojekte des Freistaates Sachsen. Er umfasst ca. 1450 ha Fläche und bietet künftig ein Stauvolumen von 15 Millionen Kubikmetern. Dieses Vorhaben soll  jedoch nicht nur Einwohner Sachsens vor zukünftigen Überschwemmungen schützen, auch angrenzende Gebiete des Nachbarbundeslandes Sachsen-Anhalt profitieren vom Bau.

Bisher wurde der Hochwasserschutz an den Ortslagen Löbnitz, Wellaune und an einem besonders überflutungsgefährdeten Gewerbegebiet am Ringdeich Schnaditz realisiert. Außerdem wurden nach dem Hochwasser 2013 sämtliche die Polderaußendeiche gesichert. Gegenwärtig ist der Ringdeich Schnaditz weiter im Bau. Folgen sollen der Flügeldeich Tiefensee, das Polderein- und Polderauslaufbauwerk und der DIN-gerechte Außendeichabschluss.

Die Maßnahmen setzt der Freistaat Sachsen mit Mitteln des Bundes, der Länder und des Freistaates um. Das Vorhaben ist Bestandteil des Nationalen Hochwasserschutzprogrammes.

Hochwasserschutz Crossen © LTV

Mit einem Etat von rund 2,1 Millionen Euro  aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Freistaates Sachsen wurden drei vorhandene Hochwasserschutzdeiche nahe der Mulde zurückgebaut und auf einer rückverlegten Linie zum Schutze des Ortsteils Zwickau-Crossen nach dem Stand der Technik neu errichtet.

Gleichzeitig wurde der Uferbereich der Mulde mit ingenieurbiologischen Maßnahmen ökologisch aufgewertet: So wurden Buhnen zur Strömungslenkung und Reduzierung der Fließgeschwindigkeit angelegt und mit Weiden begrünt, Fischunterstände als Ruhezonen geschaffen sowie Wurzelstubben am Ufer eingebaut

Durch den Überschwemmungsflächenzuwachs kann der bei Hochwasser eintretende Wasserspiegel um bis zu 70 Zentimeter sinken. Damit verbunden ist auch ein wesentlich verbesserter Schutz der zentralen Kläranlage Zwickau.

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