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Staatliche Kunstsammlungen geben Objekte an Polen zurück

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben am 15. Juni 2018 der Republik Polen 124 ethnografische Objekte und 14 historische Fotografien für das Museum für Archäologie und Ethnologie in Łódź übergeben. Damit sind nach 78 Jahren einige der letzten Teile der einst umfangreichen Sammlung des Museums an ihren angestammten Ort zurückgekehrt.

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange, der polnische Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe, Prof. Dr. hab. Piotr Gliński und der Direktor des Museums in Łódź, Prof. Dr hab. Ryszard Grygiel haben die Übergabe in Łódź am 10. Juli 2018 offiziell besiegelt.

Mit der Übergabe der Kunstobjekte wollen wir ein kleines Stück des Unrechts wiedergutmachen, das Deutsche während der NS-Zeit in Polen verübt haben.

Dr. Eva-Maria Stange

Konvolut 2017 von deutschen und polnischen Wissenschaftlern identifiziert

Kunstwerke und Orthografien aufgereiht für eine Präsentation.
Das Foto auf der Staffellei zeigt, wie die Kunstobjekte vor ihrem Raub durch die Nazis in Łódź einst ausgestellt waren.  © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Unmittelbar nach der Besetzung Polens wurde im heutigen Museum für Archäologie und Ethnologie mit dem Prähistoriker Walter Frenzel in Łódź ein deutscher Museumsleiter eingesetzt, der die Sammlung ethnographischer Objekte in das Völkerkundemuseum nach Leipzig verlagern ließ. Dessen Direktor Prof. Dr. Fritz Krause bot Objekte anderen Museen im Reichsgebiet zum Tausch an. 1942 erfolgte ein Ankauf in Höhe von 7.500 Reichsmark für das Leipziger Museum, das wiederum größere Teile der Sammlung an das Hamburger und das Kölner Völkerkundemuseum sowie an das Institut für Völkerkunde der Universität Göttingen weiter verkaufte.

Die für das Rautenstrauch-Joest Museum in Köln bestimmte Sammlung wurde vermutlich in Leipzig bei einem Bombenangriff vernichtet. Nach Kriegsende erfolgte von dem Leipziger Museum die Meldung an die Sowjetische Militäradministration über die Sammlung aus Łódź, die im April 1949 noch einmal aktualisiert wurde. Zu einer Rückgabe kam es indes nicht. 

Erst am 21. Januar 1967 beschloss der DDR-Ministerrat die Rückgabe der Objekte. Mit dem »Protokoll der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und der Regierung der Volksrepublik Polen über die Rückgabe von ethnografischen Sammlungen« vom 11. Mai 1967 wurde vereinbart, »Objekte der ethnografischen Sammlung, die während der faschistischen Okkupation aus dem Ethnografischen Museum in Lodz in das Museum für Völkerkunde in Leipzig verbracht wurden, zurückzugeben.«

 

Frauen holen alte Kunstobjekte aus Kisten und katalogisieren diese.
Dr. Birgit Scheps-Bretschneider (Abteilungsleiterin Wissenschaftliche Sammlungserschließung SES), Elzbieta Rogowska (stellvertretende Direktorin der Abteilung für kulturelles Erbe im Ausland und Kriegsverluste) und Jolanta Miskowiec (Referatsleiterin für Kriegsverluste) begutachten die Objekte.  © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Insgesamt umfasste diese Restitution 288 inventarisierte Objekte und 12 Einzelstücke ohne Inventarnummer. Durch Übergabe entsprechender Listen erfolgte auch eine Information über Weiterverkäufe nach Hamburg, Köln und Göttingen.

Aus Anlass der Restitution von insgesamt 330 Objekten aus dem Institut für Völkerkunde der Georg-August-Universität Göttingen an das Museum in Łódź am 13. Juni 2016 hat das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen am 13. Juli 2016 das Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig um Prüfung gebeten, ob in dessen Bestand über die 1967 erfolgte Rückgabe hinaus weitere aus Łódź stammende Exponate zugeordnet werden können.

Das Konvolut war letztendlich 2017 im Zuge der Provenienzrecherchen von deutschen und polnischen Wissenschaftlern im Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig identifiziert worden.

Die Rückgabe der Sammlungsbestände aus dem Freistaat Sachsen an die Republik Polen geschieht auf der völkerrechtlichen Grundlage internationaler Gepflogenheiten, dass kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter an den Herkunftsstaat übergeben werden sollen.

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